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RHEIN MAIN TERRASSENÜBERDACHUNG
Ratgeber

Material & Technik

Schneelast, Fundament und Statik: was eine Terrassenüberdachung tragen muss

Schneelastzonen und Formeln, Rechenbeispiele nach Höhenlage, frostfreie Fundamente, Wandanschluss und was Hessen und Rheinland-Pfalz zur Statik verlangen.

Redaktion Rhein Main Terrassenüberdachung · Veröffentlicht am · 8 Min. Lesezeit

Inhalt
  1. Welche Lasten auf eine Terrassenüberdachung wirken
  2. Schneelast: wie sie berechnet wird
  3. Wind: Druck und Sog
  4. Fundamente
  5. Was das Baurecht zur Statik verlangt
  6. Höhe und Gefälle
  7. Checkliste für Ihr Angebot
  8. Häufige Fragen
  9. Ihr nächster Schritt

Eine Terrassenüberdachung muss das Gewicht von Schnee, den Druck und Sog des Windes und ihr eigenes Gewicht sicher in den Boden und in die Hauswand ableiten. Wie viel das ist, hängt vom Standort ab: In der Ebene am Main ist die Schneelast deutlich geringer als in höheren Lagen im Taunus oder Odenwald. Die Pfosten stehen auf frostfreien Fundamenten, üblich sind Punktfundamente von mindestens 80 Zentimetern Tiefe. In Hessen muss die Standsicherheit vor dem Bau sogar von einer berechtigten Person bescheinigt werden.

Statik klingt nach Ingenieurwissen, das Bauherren nicht interessieren muss. Tatsächlich entscheidet sie aber über Dinge, die Sie direkt sehen und bezahlen: wie dick die Profile sind, wie viele Pfosten nötig sind, wie groß die Glasfelder sein dürfen und was die Fundamente kosten. In diesem Beitrag erklären wir die Grundlagen so, dass Sie Angebote einordnen und die richtigen Fragen stellen können.

Welche Lasten auf eine Terrassenüberdachung wirken

LastWas dahinter stecktWovon sie abhängt
EigengewichtProfile, Glas oder Stegplatten, RinneMaterial und Größe
SchneeGewicht des liegenden SchneesSchneelastzone, Höhe über dem Meer, Dachneigung
WindDruck von vorne, Sog von oben und untenWindzone, Lage, offene oder geschlossene Seiten
ZusatzlastenMarkisen, Heizstrahler, Beleuchtung, GlasschiebewändeAusstattung

Allein das Eigengewicht unterscheidet sich je nach Eindeckung erheblich. Glas wiegt rund 2,5 Kilogramm pro Quadratmeter und Millimeter Stärke. Eine VSG-Scheibe mit 8 Millimetern bringt damit etwa 20 Kilogramm pro Quadratmeter mit, Stegplatten aus Polycarbonat nur einen Bruchteil davon. Mehr dazu im Beitrag Glas oder Polycarbonat.

Schneelast: wie sie berechnet wird

In Deutschland wird die Schneelast nach DIN EN 1991-1-3 mit dem Nationalen Anhang ermittelt. Das Land ist in Schneelastzonen eingeteilt. Für jede Zone gibt es eine Formel, die den Wert am Boden aus der Höhe über dem Meeresspiegel berechnet, und einen Mindestwert, der nie unterschritten werden darf. Der Schneelastrechner von Rechner-Portal (Stand September 2026) fasst die Werte zusammen:

ZoneMindestwert am BodenFormel für höhere Lagen
Zone 10,65 kN/m²0,19 + 0,91 · ((A + 140) / 760)²
Zone 1aca. 0,81 kN/m²Zone 1 mal 1,25
Zone 20,85 kN/m²0,25 + 1,91 · ((A + 140) / 760)²
Zone 2aca. 1,06 kN/m²Zone 2 mal 1,25
Zone 31,10 kN/m²0,31 + 2,91 · ((A + 140) / 760)²

A steht für die Höhe des Standorts über dem Meeresspiegel in Metern. Der größere der beiden Werte gilt. Auf dem Dach wird der Bodenwert mit einem Formbeiwert multipliziert, der von der Neigung abhängt. Für flache und bis 30 Grad geneigte Dächer, also praktisch alle Terrassenüberdachungen, beträgt er 0,8.

Was das in Zahlen bedeutet

Ein Kilonewton pro Quadratmeter entspricht ungefähr 100 Kilogramm pro Quadratmeter. Mit den Formeln oben ergeben sich diese Dachlasten:

StandortZone 1Zone 2
100 m über dem Meerca. 0,52 kN/m² (rund 53 kg/m²)ca. 0,68 kN/m² (rund 69 kg/m²)
300 m über dem Meerca. 0,52 kN/m² (rund 53 kg/m²)ca. 0,71 kN/m² (rund 73 kg/m²)
500 m über dem Meerca. 0,67 kN/m² (rund 68 kg/m²)ca. 1,28 kN/m² (rund 131 kg/m²)

Zwei Dinge fallen auf. Erstens bleibt die Last in Zone 1 bis in mittlere Höhen beim Mindestwert. Zweitens steigt sie in Zone 2 in höheren Lagen sprunghaft an. Ein Standort auf 500 Metern in Zone 2 muss mehr als das Doppelte tragen wie einer im Tal in Zone 1.

Für das Rhein-Main-Gebiet heißt das: In tiefen Lagen entlang von Rhein und Main bleibt die Schneelast meist beim Mindestwert der jeweiligen Zone. Wer am Hang im Taunus, im Spessart oder im Odenwald baut, sollte genau hinschauen, weil dort die Höhe den Wert nach oben treibt. In welcher Zone Ihr Grundstück liegt, können Sie zum Beispiel über die Schneelastkarte von Dlubal nachsehen. Verbindlich ist, was der Statiker für Ihre Adresse ansetzt.

Warum das für Ihr Angebot wichtig ist

Viele Systeme und Bausätze werden mit einer bestimmten Schneelast beworben. Ein Hersteller von Lamellendächern gibt zum Beispiel an, dass geschlossene Lamellen bei maximaler Spannweite mindestens 520 N/m² tragen, also genau den Mindestwert der Zone 1 auf einem flachen Dach. Für Lagen mit höheren Werten braucht es dann kürzere Spannweiten oder zusätzliche Träger. Mehr dazu im Beitrag zum Lamellendach.

Fragen Sie deshalb nicht nur, wie viel Schnee ein Dach trägt, sondern ob es für Ihren Standort nachgewiesen ist.

Bauarbeiter beim Betonieren eines Fundaments
Die Fundamente tragen alle Lasten in den Boden ab. Sie müssen frostfrei gegründet sein, damit sie sich im Winter nicht heben.Foto: Mélyna Côté / Unsplash

Wind: Druck und Sog

Wind drückt nicht nur von vorn gegen die Überdachung, er erzeugt auch Sog. Über einem flachen Dach entsteht Unterdruck, der das Dach nach oben ziehen will. Je offener die Konstruktion und je freier die Lage, desto wichtiger wird das.

Drei Punkte beeinflussen die Windlast besonders:

  • Freistehende Überdachungen haben keinen Halt an der Hauswand. Die gesamte Windlast muss über Pfosten und Fundamente aufgenommen werden.
  • Seitenwände und Glasschiebewände vergrößern die Angriffsfläche. Was vorher durch die Konstruktion hindurchwehte, drückt jetzt dagegen. Wer Seitenwände später nachrüsten will, sollte das schon bei der Statik des Daches berücksichtigen.
  • Markisen haben eigene Windgrenzen und müssen bei starkem Wind eingefahren werden. Mehr dazu im Beitrag zu Markisen für das Terrassendach.

Fundamente

Punktfundamente sind die Regel

Unter jedem Pfosten sitzt ein Punktfundament aus Beton. Es muss so tief reichen, dass der Boden darunter im Winter nicht gefriert. Gefriert Wasser unter einem zu flachen Fundament, dehnt es sich aus und kann das Fundament anheben, die Konstruktion verzieht sich.

Als Richtwert für frostfreie Fundamente einer Terrassenüberdachung werden in der Praxis mindestens 80 Zentimeter Tiefe und mindestens 40 x 40 Zentimeter Grundfläche genannt, bei größeren Überdachungen entsprechend mehr. Eine Kiesschicht unter dem Beton lässt Wasser schneller versickern. Die genauen Maße legt die Statik fest.

Fertigfundamente und Pfostenanker

Statt Beton vor Ort anzumischen, werden oft vorgefertigte Betonfundamente oder Stahlfundamente zum Einbetonieren verwendet. Auch hier gilt: Die Größe muss zur Last passen.

Pfosten auf der bestehenden Terrasse

Oft möchten Bauherren die Pfosten einfach auf die vorhandenen Terrassenplatten setzen. Das funktioniert nur, wenn darunter ein ausreichendes Fundament liegt, etwa eine tragfähige Betonplatte in passender Stärke. Platten im Splittbett oder Holzdielen sind dafür nicht geeignet. In den meisten Fällen werden einzelne Platten herausgenommen, das Fundament gesetzt und die Platten anschließend wieder angepasst.

Wandanschluss

Bei einer Überdachung am Haus trägt die Hauswand einen Teil der Last über die Wandpfette. Massives Mauerwerk ist dafür meist gut geeignet. Kritisch wird es bei Fassaden mit Wärmedämmverbundsystem, Klinker-Vorsatzschalen oder Holzständerwänden. Hier braucht es Montagesysteme, die die Last bis in die tragende Wand leiten, ohne eine Wärmebrücke zu erzeugen. Das gehört zu den Punkten, die wir beim Aufmaß zuerst prüfen.

Was das Baurecht zur Statik verlangt

  • Hessen: Überdachungen erdgeschossiger Terrassen sind an Gebäuden der Gebäudeklassen 1 bis 3 genehmigungsfrei, dürfen aber erst gebaut werden, wenn eine berechtigte Person die statisch-konstruktive Unbedenklichkeit festgestellt und Ihnen bescheinigt hat (Anlage zu § 63 HBO, Abschnitt IV Nr. 3). Details im Beitrag zur Baugenehmigung in Hessen.
  • Rheinland-Pfalz: Eine solche Bescheinigung schreibt § 62 LBauO für Terrassenüberdachungen nicht ausdrücklich vor. Standsicher muss die Konstruktion trotzdem sein. Mehr im Beitrag zur Baugenehmigung in Rheinland-Pfalz.

Tragwerke aus Aluminium und Stahl fallen außerdem unter die Norm DIN EN 1090. Hersteller, die solche Bauteile mit CE-Kennzeichnung in Verkehr bringen, brauchen eine entsprechende Zertifizierung.

Höhe und Gefälle

Zwei Maße, die die Statik nicht direkt betreffen, aber eng mit ihr zusammenhängen:

  • Gefälle: Damit Regen und Schmelzwasser ablaufen, braucht jedes Dach ein Gefälle. Stegplatten brauchen laut Herstellern meist 5 bis 10 Grad. Bei 10 Grad liegt die Traufe eines 3 Meter tiefen Dachs gut einen halben Meter tiefer als der Wandanschluss. Liegt Schnee auf einem flachen Dach, bleibt er länger liegen.
  • Durchgangshöhe: Vorne sollte genug Kopffreiheit bleiben, auch wenn später eine Markise oder Glasschiebewände dazukommen. Wie hoch der Wandanschluss sein kann, hängt von Fenstern, Rollladenkästen und einem eventuellen Balkon darüber ab.

Checkliste für Ihr Angebot

  1. Für welche Schneelast und welche Windlast ist die Konstruktion ausgelegt, und gilt das für Ihre Adresse?
  2. Wer stellt den Standsicherheitsnachweis auf, und bekommen Sie eine Bescheinigung?
  3. Wie viele Pfosten, welche Spannweiten, welche Profilstärken?
  4. Welche Fundamente, wie tief und wie groß, und sind sie im Preis enthalten?
  5. Wie wird an die Hauswand angeschlossen, besonders bei gedämmter Fassade?
  6. Sind spätere Erweiterungen wie Glasschiebewände oder Markisen in der Statik schon berücksichtigt?

Häufige Fragen

Welche Schneelast muss eine Terrassenüberdachung tragen?

Das hängt von Schneelastzone und Höhe ab. In Zone 1 sind es auf einem flachen Dach mindestens 0,52 kN/m², also rund 53 kg pro Quadratmeter. In höheren Lagen und anderen Zonen deutlich mehr.

Wie tief muss ein Fundament für eine Terrassenüberdachung sein?

Als Richtwert gelten mindestens 80 Zentimeter, damit das Fundament frostfrei ist, bei einer Grundfläche von mindestens 40 x 40 Zentimetern. Die genauen Maße ergeben sich aus der Statik.

Kann ich die Pfosten auf meine Terrassenplatten stellen?

Nur, wenn darunter eine tragfähige Betonplatte liegt. Platten im Splittbett oder Holzdielen tragen die Lasten nicht. Meist werden einzelne Platten entfernt und Punktfundamente gesetzt.

Welche Fundamente eignen sich für eine Terrassenüberdachung?

Meist Punktfundamente aus Beton unter jedem Pfosten, vor Ort gegossen oder als vorgefertigte Beton- oder Stahlfundamente. Bei größeren Flächen kann auch eine durchgehende Bodenplatte sinnvoll sein. Die Größe legt die Statik fest.

Brauche ich einen Statiker für meine Terrassenüberdachung?

In Hessen muss vor Baubeginn eine berechtigte Person die Standsicherheit bescheinigen. In Rheinland-Pfalz ist das für Terrassenüberdachungen nicht ausdrücklich vorgeschrieben, die Konstruktion muss aber trotzdem standsicher sein. Fachbetriebe liefern den Nachweis meist mit.

Ihr nächster Schritt

Die Statik ist der Teil einer Terrassenüberdachung, den man später nicht mehr sieht, aber jeden Winter braucht. Beim Aufmaß prüfen wir Untergrund, Wand und Standort und legen die Konstruktion auf Ihre Adresse aus. Stellen Sie Ihr Projekt im Konfigurator zusammen oder sehen Sie sich unsere Terrassenüberdachungen an.

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