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RHEIN MAIN TERRASSENÜBERDACHUNG
Ratgeber

Glassysteme

Glasschiebewände für die Terrasse: Systeme, Technik und worauf es ankommt

Glasschiebewände unter dem Terrassendach: Aufbau, ESG-Glas, Maße, Dichtigkeit, Winterfestigkeit, Bausatz oder Montage und Pflege.

Redaktion Rhein Main Terrassenüberdachung · Veröffentlicht am · 9 Min. Lesezeit

Inhalt
  1. So ist eine Glasschiebewand aufgebaut
  2. Welches Glas: ESG in der Wand, VSG im Dach
  3. Maße und Grenzen
  4. Was Dach und Terrasse mitbringen müssen
  5. Wie dicht sind Glasschiebewände?
  6. Sind Glasschiebewände winterfest?
  7. Wo Glasschiebewände sinnvoll sind
  8. Was den Aufwand bestimmt
  9. Bausatz oder Fachmontage?
  10. Pflege und Wartung
  11. Brauche ich eine Genehmigung?
  12. Häufige Fragen
  13. Ihr nächster Schritt

Glasschiebewände für die Terrasse bestehen aus mehreren rahmenlosen Scheiben aus 8 oder 10 mm starkem Einscheibensicherheitsglas, die in drei bis fünf Spuren hintereinander laufen und sich zur Seite schieben lassen. Unter einer Terrassenüberdachung schützen sie vor Wind und Schlagregen und machen aus dem Terrassendach einen Kaltwintergarten. Ob Bausatz oder maßgefertigt, entscheiden vor allem Ihre Terrasse und Ihr Dach.

Glasschiebewände sind die Erweiterung, nach der wir beim Aufmaß am häufigsten gefragt werden, oft auch bei bestehenden Überdachungen. In diesem Beitrag erklären wir, wie die Systeme aufgebaut sind, was Dach und Boden mitbringen müssen, wie dicht und wie winterfest sie wirklich sind und wo sich Bausatz oder Fachmontage lohnt.

So ist eine Glasschiebewand aufgebaut

Eine Glasschiebewand besteht aus wenigen, aber präzise aufeinander abgestimmten Teilen:

  • Oberprofil: Es wird unter der Rinne oder einem Träger der Überdachung befestigt und führt die Scheiben oben.
  • Bodenschiene: Sie liegt auf der Terrasse. Auf ihr laufen die Scheiben über Rollen. Gute Systeme haben eine flache, abgerundete Schiene, über die man ohne Stolpern gehen kann.
  • Scheiben: rahmenlose Glasflügel, meist rund einen Meter breit. Oben und unten sitzt ein schmales Aluminiumprofil mit Rollen und Führung, seitlich gibt es keinen Rahmen.
  • Spuren: Jede Scheibe läuft in einer eigenen Spur. Bei vier Spuren lassen sich vier Scheiben hintereinander zusammenschieben, die Öffnung entspricht dann etwa drei Vierteln der Breite.
  • Mitnehmer: Beim Aufschieben nimmt jede Scheibe die nächste mit, sodass sich die Wand mit einer Hand öffnen lässt.
  • Griffe und Schloss: Edelstahlgriffe, auf Wunsch mit Schloss.
  • Seitenprofile: schließen die Wand zur Hauswand oder zum Pfosten ab.

Je nach Dachform braucht es zusätzlich ein Keilfenster. Das ist ein festes, dreieckiges Glaselement, das an den Seiten den schrägen Spalt zwischen Oberkante der Schiebewand und geneigtem Dach schließt. Ein Ratgeber auf glaserei.org weist darauf hin, dass Keilfenster in Bausätzen meist nicht enthalten sind. Für eine rundum geschlossene Terrasse sind sie aber unverzichtbar.

Welches Glas: ESG in der Wand, VSG im Dach

Für die Scheiben von Glasschiebewänden wird Einscheibensicherheitsglas (ESG) verwendet, üblich sind 8 oder 10 mm. ESG ist thermisch vorgespannt und nach DIN EN 12150 geprüft. Bricht eine Scheibe, zerfällt sie in viele kleine, stumpfe Krümel, wie man es von Seitenscheiben im Auto kennt. Für eine Wand, an der Menschen vorbeigehen, ist das ideal.

Im Dach dagegen ist ESG nicht zulässig, dort muss Verbundsicherheitsglas verwendet werden, weil eine zerfallende Scheibe sonst herunterfallen würde. Warum das so ist, erklären wir ausführlich im Beitrag Glas oder Polycarbonat.

Neben Klarglas gibt es Scheiben mit satinierter oder matter Oberfläche. Sie eignen sich gut für die Seite zum Nachbarn, wo Sie Sichtschutz möchten, aber trotzdem Licht.

Rahmenlose Glaselemente an einer Terrasse mit Meerblick
Rahmenlose Glaselemente: Seitlich gibt es keine Profile, nur oben und unten sitzen schmale Führungsschienen.Foto: Adam Elwan / Unsplash

Maße und Grenzen

Die Scheiben sind schwer. 10 mm starkes Glas wiegt rund 25 Kilogramm pro Quadratmeter. Eine einzelne Scheibe von 1 Meter Breite und 2,30 Metern Höhe bringt damit über 55 Kilogramm auf die Rollen. Daraus ergeben sich einige Grenzen:

  • Höhe: Anbieter nennen Glashöhen bis etwa 2,30 Meter, manche bis 2,70 Meter.
  • Breite einer Anlage: typisch bis etwa 6 bis 7 Meter am Stück, darüber wird die Wand durch einen Pfosten geteilt.
  • Spuren: Ein Hersteller nennt zum Beispiel vier Spuren bis 4 Meter Breite und fünf Spuren darüber.
  • Öffnungsrichtung: Die Scheiben können sich zu einer Seite oder von der Mitte zu beiden Seiten öffnen. Mit Eckverbindungen lassen sich Front und Seite auch über Eck kombinieren.

Planen Sie die Pfosten der Überdachung so, dass die Felder für die Glasschiebewände gut aufgehen. Ein Pfosten mitten im späteren Durchgang ist ärgerlich und lässt sich nachträglich kaum versetzen.

Was Dach und Terrasse mitbringen müssen

Ein Dach, das sich nicht durchbiegt

Die Glasschiebewand hängt oben am Dach. Biegt sich die Rinne unter Schnee oder bei großer Spannweite durch, verringert sich der Abstand zur Bodenschiene, und die Scheiben klemmen oder laufen schwer. Bei großen Breiten braucht es deshalb eine ausreichend steife Rinne oder einen zusätzlichen Pfosten.

Bei einer bestehenden Überdachung prüfen wir beim Aufmaß, ob Rinne und Pfosten die zusätzliche Last aufnehmen können und ob die Durchgangshöhe gleichmäßig ist. Viele Terrassendächer lassen sich problemlos nachrüsten, bei sehr leichten Bausätzen kann es aber Grenzen geben.

Ein ebener, tragfähiger Boden

Die Bodenschiene muss waagerecht liegen. Terrassen haben aber fast immer ein leichtes Gefälle vom Haus weg, damit Regenwasser abläuft. Dieses Gefälle muss an der Schiene ausgeglichen werden, zum Beispiel mit einem Ausgleichsprofil oder durch Unterfüttern. Ein Anbieter beschreibt, dass sich ein nicht waagerechter Untergrund mit einem Pfostenprofil ausrichten lässt.

Auch die Tragfähigkeit ist wichtig. Auf Terrassenplatten im Splittbett oder auf Holzdielen kann die Schiene ohne passenden Unterbau absinken. Bei Holz- oder WPC-Terrassen braucht es deshalb meist einen eigenen Unterbau unter der Schiene.

Ein flacher Übergang

Wer barrierefrei wohnen möchte oder oft mit Kinderwagen, Rollator oder Rasenmäher hinaus muss, sollte auf eine flache Bodenschiene achten. glaserei.org empfiehlt dafür eine Schienenhöhe von höchstens 17 Millimetern.

Wie dicht sind Glasschiebewände?

Rahmenlose Glasschiebewände sind bewusst nicht luftdicht. Die Scheiben überlappen sich, zwischen ihnen bleibt ein schmaler Spalt. Das hat einen Vorteil: Es findet ständig ein leichter Luftaustausch statt, sodass sich auf der Innenseite der Scheiben kaum Kondenswasser bildet. Ein vollständig dichter Glasanbau ohne Heizung und Lüftung hätte dagegen schnell ein Feuchtigkeitsproblem.

Für mehr Windschutz gibt es Winddichtprofile oder Bürstendichtungen zwischen den Scheiben. Sie reduzieren Zugluft deutlich und halten Insekten draußen. Bei vielen Systemen lassen sie sich auch nachträglich einsetzen.

Bei starkem Schlagregen von vorn kann sich an der Bodenschiene etwas Wasser sammeln. Gute Bodenschienen haben deshalb Entwässerungsöffnungen nach außen.

Wichtig für die Erwartung: Auch mit Glasschiebewänden ist die Terrasse kein Wohnraum. Wie warm es darin im Winter wird und was beim Heizen erlaubt ist, erklären wir im Beitrag Kaltwintergarten, Sommergarten oder Wintergarten.

Sind Glasschiebewände winterfest?

ESG-Glas und pulverbeschichtetes Aluminium vertragen Frost problemlos, die Glasschiebewand kann also das ganze Jahr montiert bleiben. Im Winter gibt es aber drei Dinge zu beachten:

  • Eis in der Bodenschiene: Steht Wasser in der Schiene und friert, lassen sich die Scheiben nicht bewegen. Nicht mit Gewalt schieben, sondern warten, bis es getaut ist. Saubere Entwässerungsöffnungen beugen vor.
  • Schnee am Dach: Die Glasschiebewand trägt keine Last vom Dach. Biegt sich die Rinne unter hoher Schneelast stärker durch, können die Scheiben vorübergehend schwerer laufen. Das ist ein Grund mehr für eine ausreichend dimensionierte Statik.
  • Sturm: Bei Sturm sollten die Scheiben geschlossen sein. Halb geöffnete Scheiben bieten dem Wind eine größere Angriffsfläche und können in der Spur schlagen.

Wo Glasschiebewände sinnvoll sind

  • An der Wetterseite: In Deutschland kommt das Wetter überwiegend aus westlichen Richtungen. Schauen Sie aber auf Ihre eigene Terrasse: Häuser, Hecken und Garagen lenken den Wind oft um. Schon eine einzelne Glasschiebewand an der Seite, aus der es bei Ihnen zieht, macht einen spürbaren Unterschied.
  • An der Front: zusammen mit den Seiten ergibt sich ein Kaltwintergarten, der im Sommer komplett geöffnet werden kann.
  • Als Sichtschutz zum Nachbarn: mit Mattglas, besonders bei Doppel- und Reihenhäusern. Alternativen zur Schiebewand zeigt der Beitrag Seitenwand und Windschutz.
  • Am Lamellendach: Auch Lamellendächer lassen sich mit Glasschiebewänden kombinieren. Mehr dazu unter Lamellendach.

Wie das in der Praxis aussieht, zeigen zwei unserer Projekte: ein Terrassendach mit Glasschiebewänden an einer Doppelhaushälfte und eines an einem Neubau.

Was den Aufwand bestimmt

Glasschiebewände gibt es als Bausatz in Standardbreiten und als maßgefertigte Anlage mit Montage. Den Aufwand bestimmen vor allem Breite und Höhe, die Zahl der Spuren, die Glasart und der Zustand von Dach und Boden. Der Unterschied zwischen Bausatz und Fachmontage erklärt sich durch Leistungen, die im Bausatz fehlen:

  • Aufmaß und Fertigung auf das exakte Maß Ihrer Überdachung
  • Keilfenster für die Dachschräge
  • Ausgleich des Bodengefälles und Unterbau für die Schiene
  • Prüfung von Rinne und Statik
  • Montage der schweren Scheiben, Einstellen der Rollen und Mitnehmer
  • Winddichtprofile, Schloss, Mattglas oder Sonderfarben

Für einen kompletten Kaltwintergarten mit Front und zwei Seiten kommen Sie je nach Größe schnell auf drei Glasschiebewände plus Keilfenster. Wovon die Kosten insgesamt abhängen, erklären unsere Beiträge zu den Kosten einer Terrassenüberdachung und zum Kaltwintergarten.

Bausatz oder Fachmontage?

Eine Glasschiebewand selbst zu montieren ist möglich. Bausätze kommen mit Anleitung, und wer handwerklich geübt ist, schafft eine Seite an einem Tag. Die Herausforderungen liegen woanders:

  • Gewicht: Scheiben mit über 50 Kilogramm müssen zu zweit oder zu dritt eingehängt werden.
  • Präzision: Schon wenige Millimeter Abweichung zwischen Ober- und Unterprofil führen dazu, dass Scheiben schwer laufen oder sich nicht vollständig schließen.
  • Untergrund: Das Bodengefälle muss sauber ausgeglichen werden.
  • Keilfenster: Diese werden individuell gefertigt und sind im Bausatz nicht dabei.
  • Gewährleistung: Bei Montagefehlern übernimmt in der Regel niemand die Haftung.

Für eine einzelne Windschutzwand an einer geraden, ebenen Terrasse kann ein Bausatz eine gute Lösung sein. Für eine Rundum-Verglasung, bei schrägen Dächern oder unebenen Böden lohnt sich die Fachmontage.

Pflege und Wartung

  • Bodenschiene: regelmäßig aussaugen oder auskehren. Laub, Sand und kleine Steine bremsen die Rollen und können sie auf Dauer beschädigen. Die Entwässerungsöffnungen freihalten.
  • Glas: mit Wasser, einem milden Reiniger und einem Abzieher reinigen, wie normale Fenster.
  • Rollen und Mitnehmer: einmal im Jahr prüfen, ob alles leicht läuft. Bei Bedarf lassen sich die Rollen nachstellen.
  • Dichtungen: Bürsten- und Winddichtprofile verschleißen über die Jahre und können getauscht werden.

Brauche ich eine Genehmigung?

In Hessen sind Teilverglasungen von erdgeschossigen Terrassen an Gebäuden der Gebäudeklassen 1 bis 3 baugenehmigungsfrei. Wird die Überdachung rundum verglast, kann sie als Wintergarten eingeordnet werden. Dann gilt die Grenze von 30 Quadratmetern Grundfläche, und die Gemeinde muss vorab beteiligt werden. Die Details finden Sie in unserem Beitrag zur Baugenehmigung in Hessen.

Häufige Fragen

Worin unterscheiden sich Bausatz und Fachmontage?

Ein Bausatz enthält Scheiben und Schienen in Standardmaßen. Bei der Fachmontage kommen Aufmaß, Fertigung auf Maß, Keilfenster, Ausgleich des Bodengefälles, Prüfung von Rinne und Statik sowie die Montage mit Gewährleistung dazu.

Sind Glasschiebewände winterfest?

Ja, ESG-Glas und Aluminium vertragen Frost und können ganzjährig montiert bleiben. Bei Eis in der Bodenschiene lassen sich die Scheiben vorübergehend nicht bewegen. Eine saubere Schiene mit Entwässerung beugt vor.

Sind Glasschiebewände dicht?

Sie halten Wind, Regen und Laub weitgehend ab, sind aber bewusst nicht luftdicht. Der schmale Spalt zwischen den Scheiben sorgt für Luftaustausch und verhindert Kondenswasser. Winddichtprofile verringern Zugluft zusätzlich.

Kann man Glasschiebewände nachrüsten?

In den meisten Fällen ja. Voraussetzung ist eine Überdachung, deren Rinne die Last aufnehmen kann und sich nicht stark durchbiegt, sowie ein ebener, tragfähiger Boden für die Schiene. Das prüfen wir beim Aufmaß.

Welches Glas wird für Glasschiebewände verwendet?

Üblich ist Einscheibensicherheitsglas mit 8 oder 10 mm Stärke, klar oder matt. Im Dach dagegen muss Verbundsicherheitsglas verwendet werden.

Brauche ich eine Baugenehmigung für Glasschiebewände?

In Hessen sind Teilverglasungen von Terrassenüberdachungen an Ein- und Zweifamilienhäusern genehmigungsfrei. Bei einer Rundum-Verglasung kann die Anlage als Wintergarten gelten, dann gelten bis 30 Quadratmeter Grundfläche besondere Vorbehalte.

Ihr nächster Schritt

Ob Windschutz an einer Seite oder kompletter Kaltwintergarten: Entscheidend ist, dass Dach, Boden und Glaswand zusammenpassen. Wählen Sie im Konfigurator die gewünschten Seiten aus und beschreiben Sie Ihre Terrasse. Unsere Glassysteme finden Sie unter Glassysteme.

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